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MY FACTORY 9/2021

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MY FACTORY 9/2021

SMART PRODUCTION SCHRITT

SMART PRODUCTION SCHRITT FÜR SCHRITT ZUR DATENGETRIEBENEN PRODUKTION SO GELINGT DAS MES-ROLL-OUT Kein produzierendes Unternehmen kann es sich leisten, die Potenziale der Digitalisierung ungenutzt zu lassen. Durch die Maschinen- und Betriebsdatenerfassung (MDE/BDE) sind zwar Daten in Hülle und Fülle vorhanden, doch erst mit einem Manufacturing Execution System (MES) kann man sie für die Analyse und Optimierung von Fertigungsprozessen nutzen. Dabei kommt es auf die passende Vorbereitung zur Einführung einer MES-Lösung an Die Ziele der Industrie 4.0 stehen fest: Die datengetriebene Produktion mündet in der Smart Factory mit dem intelligenten Werkstück, das sich seinen Weg selbstständig durch die Fertigung sucht. Wie produzierende Unternehmen dieses Ziel erreichen können, ist hingegen weitestgehend unklar. Das liegt vor allem daran, dass es keinen Königsweg gibt, der für alle gilt. Vielmehr muss jedes Unternehmen auf Basis seines Digitalisierungsgrads und der individuellen Anforderungen der Produktion seinen eigenen Weg in die Industrie 4.0 finden. Fest steht hingegen, das viele produzierende Unternehmen für diesen Weg ein MES auswählen. Nicht umsonst werden solche Systeme als Brückentechnologie zur Smart Factory bezeichnet. Die ausgewählte MES-Lösung ist dabei der Grundpfeiler, auf dem die weitere Digitalisierung aufbaut. Dementsprechend ist das MES mit Bedacht und Augenmaß zu wählen. Wenn dem Unternehmen der Wettbewerbsdruck, die Dynamik einer variantenreichen Fertigung und individuelle Kundenanforderungen zu schaffen machen, möchte man sich wahrscheinlich nicht noch mit den Herausforderungen einer MES-Einführung beschäftigen. Der Leidensdruck wird jedoch nicht geringer werden, wenn man ihn ignoriert. Dagegen verhilft einem die passende MES-Lösung dazu, flexibler und schneller zu reagieren. Werden bei der Einführung die entsprechenden Faktoren beachtet, wird aus Leidensdruck Wettbewerbsfähigkeit. PLANUNG UND DOKUMENTATION Alles beginnt am Flipchart – das heißt, eine umsichtige und detaillierte Planung ist gerade bei der MES-Einführung das A und O. Versäumnisse in der Planungsphase können sich später durch Verzögerungen oder unerwartete Kosten rächen. Von Anfang an sollte also Professionalität herrschen. Das bedeutet zum Beispiel, realistische Ziele zu formulieren. Dazu gehört die IST-Analyse der Prozesse zwischen ERP und Fertigung. Daraus lassen sich Änderungswünsche entwickeln, die letzten Endes in Zielvorstellungen münden. Diese sollten so konkret wie möglich definiert werden. Das Erreichen der formulierten Ziele hängt von einzelnen Erfolgsfaktoren ab. Diese sollten zu jedem Ziel ebenfalls herausgearbeitet und festgehalten werden. Auf diese Weise kommt das Unternehmen Schritt für Schritt zu einem Lastenheft, anhand dessen im Projektverlauf der jeweilige IST-Zustand mit den Zielen und Erfolgsfaktoren abgeglichen werden kann. Die detaillierte Dokumentation aller Arbeitsprozesse ist ein wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen MES-Einführung. MITARBEITER UND KOMMUNIKATION Die Arbeit mit einem MES betrifft zahlreiche Mitarbeiter, die so früh wie möglich in das Projekt mit eingebunden werden sollten, allein schon, um Vorbehalten in der Belegschaft entgegenzuwirken. Auf diese Weise kann jeder, vom Werker über den Planer bis zum IT-Mitarbeiter, seine Wünsche und Anforderungen einbringen. Daran lässt sich auch erkennen, in welchen Bereichen die Einführung eines MES die größten Effizienzsteigerungen hätte. Man sollte jedoch darauf achten, dass die frühzeitige Einbindung der Mitarbeiter nicht in ein Wunschkonzert ausartet. Daher ist es wichtig, die gesammelten Anforderungen und Erkenntnisse bezüglich der Effizienzsteigerung zu priorisieren: Anforderungen mit der größten Dringlichkeit stehen dabei ganz oben auf der Liste. Darüber hinaus hilft eine klare Kommunikation dabei, das gefürchtete Wunschkonzert zu vermeiden. Das heißt, man sollte nicht damit hinter dem Berg halten, dass die MES-Einführung Veränderungen mit sich bringt. Die Mitarbeiter müssen begreifen, dass die angestrebten Veränderungen Chancen sind – even- 20 MY FACTORY 2021/09 www.myfactory-magazin.de

GRUNDSÄTZLICH SOLLTE DIE MES-LÖSUNG ALS ERSTES DORT EINGEFÜHRT WERDEN, WO IN KÜRZESTER ZEIT DIE GRÖSSTE EFFIZIENZSTEIGERUNG ERREICHT WERDEN KANN. Michael Möller, Geschäftsführer, gbo datacomp GmbH tuell sogar Notwendigkeiten, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu gewährleisten. MES- UND PARTNERWAHL Sind die Ziele formuliert, muss die dazu passende MES-Lösung gefunden werden. Angesicht zahlreicher Angebote, kann es hilfreich sein, für die Auswahl die Richtlinie VDI5600 zurate zu ziehen. Hier stehen die typischen Aufgaben eines MES. Anhand des eigenen Anforderungskatalogs können die Aufgaben ausgewählt werden, die zum Katalog passen. Dabei sollte man auch im Hinterkopf haben, dass sich die Anforderungen in Zukunft ändern können. Die MES-Lösung sollte also flexibel und ohne großen Aufwand skalierbar sein. Modular aufgebaute MES entsprechen dieser Anforderung. Die Skalierbarkeit ist ein wichtiger Faktor, um die MES-Lösung tiefer ins Unternehmen einzuführen. Geht es anfangs vielleicht nur um die Maschinenauslastung, könnte später zur Fertigungsplanung auch die Personalzeiterfassung hinzugezogen werden. Das ist kein Problem, wenn sich das MES für derartige Aufgaben modular erweitern lässt. Das bedeutet aber auch, dass sich das Unternehmen auf eine lange Zusammenarbeit mit dem gewählten Technologiepartner einlässt. Deshalb sollte bei der Wahl der MES-Lösung auch darauf geachtet werden, dass die Chemie zwischen beiden stimmt. Ebenso ist eine langjährige Erfahrung des Technologiepartners mit MES-Einführungen ein Punkt, den man bei der Auswahl beachten sollte. Grundsätzlich gilt, dass auf Grundlage des Lastenheftes die MES-Lösung als Erstes dort eingeführt wird, wo in kürzester Zeit die größte Effizienzsteigerung erreicht werden kann. Übereifer ist hierbei fehl am Platz. Nicht alle Ziele lassen sich auf einmal erreichen. Es ist sinnvoll, die MES-Lösung zunächst an nur einer Maschine ausgiebig zu testen und die Ergebnisse zu dokumentieren. Anschließend können sukzessive weitere Maschinen eingebunden werden. Dabei sollte das Altsystem durchaus noch eine Weile parallel betrieben werden. Läuft das MES stabil, kann es abgeschaltet werden und der erste Schritt auf dem Weg zu einer datengetriebenen Produktion ist getan. Bilder: AdobeStock/panuwat; gbo datacomp www.gbo-datacomp.de UNTERNEHMEN gbo datacomp GmbH Schertlinstraße 12a, 86159 Augsburg Tel. +49 821 597010 E-Mail: info@gbo-datacomp.de AUTOR Michael Möller, Geschäftsführer, gbo datacomp GmbH ZUSATZINHALTE IM NETZ bit.ly/3fsBQuJ www.myfactory-magazin.de MY FACTORY 2021/09 21

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