PRODUCTION EXCELLENCE 01 Der Maschinenpark von Berg Spanntechnik umfasst insgesamt 18 Dreh- bzw. Fräszentren und Schleifmaschinen; die Datenvisualisierung erfolgt über Coscom InfoPOINT VM direkt an den NC-Maschinen 02 Auch das Werkzeugvoreinstellgerät von Haimer tauscht Daten im Prozess eingebunden aus: vom Rüstzentrum mit dem zentralen Coscom-Toolmanagement-Modul ToolDIRECTOR VM 03 IT-Insellösungen in der Produktion zu einem schlagkräftigen Ganzen zu vernetzen: (v.l.n.r.) Ingo Kolberg von Coscom sowie Dirk Deppe und Oliver Oberkoch von Berg haben das Projekt zusammen gestemmt 01 02 03 Datenplattform gesteuert einzusetzen. Uns ging es dabei um den vollständigen Artikelbezug des Fertigungsauftrags vom NC- Programm bis zur Bearbeitung, also um die gesamte Prozesskette.“ Und was versprochen wurde, wurde auch eingehalten: „Jetzt ist alles wunderbar gelöst. Bezogen auf einen Artikel werden in nur einem digitalen Fertigungsdatenblatt alle relevanten Prozessinformationen zentral abrufbar angezeigt“, sagt Oliver Oberkoch begeistert. ALLES KREIST IM ZENTRALEN ECO-SYSTEM Das neue Prozessnetzwerk von Coscom verbindet die intern gewachsene Systemlandschaft mit ihren „Satelliten“ im Shopfloor. Der zentrale Data Hub ist FactoryDIRECTOR VM (Virtual Machining) von Coscom, in dem alle Fertigungsinformationen strukturiert abgelegt werden. Hierzu gehören Artikelstammund Arbeitsplandaten aus dem ERP-System. Als führendes ERP- System nutzt Berg APplus. Alle im Shopfloor erzeugten Daten und Informationen werden nun in der zentralen Datenbank dem versionierten Fertigungsartikel und der konkreten Arbeitsfolge (Vorgang) des Arbeitsplans zugeordnet. FactoryDIREC- TOR VM ist auch die operative Schaltstelle für die integrierten Anwendungssysteme, wie das CAD/CAM-System Esprit Edge, die virtuellen Maschinen, die Dreh-Fräs-Bearbeitungszentren sowie das Werkzeugvoreinstellgerät von Haimer. Die Visualisierung der Fertigungsdaten findet am Point of Interest über InfoPOINT VM direkt an den Werkzeugmaschinen statt. GEMEINSAM AN EINEM TISCH Die Integration der Satellitensysteme war kein Selbstläufer. Vielmehr war aktives Management gefordert - eine jahrelang erarbeitete Kernkompetenz von Coscom. „Damit alle Systeme konzertiert zusammenarbeiten, müssen viele Interessen aufeinander abgestimmt und gebündelt werden“, erklärt Ingo Kolberg. Zu einem schlagkräftigen Team gehören die interne Projektleitung und die Shopfloor-Anwender bei Berg, die Systemanbieter wie APplus, Pimpel (CAD/CAM-System Esprit) und Haimer Microset (Werkzeugvoreinstellgerät Haimer). Den Lead bei der Prozessintegration zu übernehmen, sei sehr wichtig, denn „viele Systemanbieter wollen zwar ihre Tools verkaufen, beschäftigen jedoch keine eigenen Prozessintegratoren“, wundert sich der Coscom-Mitarbeiter. Viele zufriedene Kunden und auch Integrationspartner sind der jahrelange Beweis, dass Coscom sich als „Dirigent“ seine Meriten verdient hat. „Inzwischen fragen uns renommierte System-, Werkzeug- und Maschinen-Anbieter, wie sie ihre Daten bereitstellen sollen, damit sie für die Shopfloor-Digitalisierung optimal genutzt werden können. Wir nutzen bei der Integration moderne Rest-Services und andere moderne Kommunikationsvehikel, um diese Systeme effektiv einzubinden“, betont Ingo Kolberg. Mittlerweile pflegen die Ebersberger nicht nur mit CAD/CAM-Anbietern einen intensiven Dialog: „Sie lassen ihre Schnittstellen von uns zertifizieren. Mit dem Kunden indes reden wir nicht über Schnittstellen, sondern über den Nutzen in der neuen Prozessintegration zur Erreichung der definierten Digitalisierungsziele“, stellt der langjährige Mitarbeiter klar. Die Integration birgt für Berg den Vorteil der Rüstzeitoptimierung durch das Anlegen von digitalen Zwillingen der Werkzeuge. Dies hat zum Ziel, die Wiederverwendung von Werkzeugen durch die Kenntnis zu steigern, in welchem CNC-Programm für einen anderen Artikel das Werkzeug bereits verwendet wurde. Es besteht die Möglichkeit, aus dem CAM-Programm heraus mit ToolDIRECTOR VM zu kommunizieren, um bei Bedarf Werkzeuge auszutauschen. Weitere Highlights des Coscom Eco-Systems sind neue Möglichkeiten im intelligenten Prozessnetzwerk, 10 MY FACTORY 2026/06 www.myfactory-magazin.de
PRODUCTION EXCELLENCE z.B. mit dem CAM-System, einen bidirektionalen Informationsaustausch auch „rückwärts“ durchzuführen, wenn beim gelaufenen CNC-Programm die Werkzeuge verändert wurden. Früchte trägt die Integrationsleistung noch an anderen Stellen: Das CAD/CAM-System Esprit lässt sich aus Coscom Eco-System mit den Fertigungsinformationen etc. direkt starten. Wird das CAM-System beendet, sind alle Werkzeuge, die während der Programmierung im Prozess genutzt wurden, automatisch dokumentiert und transparent abgelegt. Dies ist eine Frage der Konfiguration des Coscom Eco-Systems, deren Nutzung Berg derzeit weiter ausbaut und integriert. Es verlangt eine große Expertise, Werkzeugdaten in einen prozessfähigen digitalen Zwilling zu verwandeln. Und dies muss immer wieder unter Beweis gestellt werden, weil sich die Schnittstellen der Integrationspartner von Zeit zu Zeit ändern. Coscom stellt daher professionelles Projektmanagement für die Prozessintegration bereit. ALLES SAUBER UND ORDENTLICH Die Shopfloor-Digitalisierung macht bei Berg beachtliche Fortschritte. Inzwischen sind mehr als 5 000 Artikel angelegt, rund 15 000 CNC-Programme und mehr als 1 000 digitale Zwillinge von Werkzeugen im Zugriff. „Durch die fehlende Übersicht haben wir zuvor Werkzeuge doppelt angelegt, etwa indem das gleiche Werkzeug über zwei verschiedenen Stammdatensätze DAMIT ALLE SYSTEME KONZERTIERT ZUSAMMENARBEITEN, MÜSSEN VIELE INTERESSEN AUFEINANDER ABGESTIMMT UND GEBÜNDELT WERDEN geführt wurde“, erinnert sich Dirk Deppe. Das käme nun nicht mehr vor. Für Klarheit sorgt auch die Verwendung des Namensgenerators innerhalb des Coscom Eco-Systems. Dieser Mechanismus zählt automatisch die Bezeichnungen der Werkzeuge/ Namen hoch. Diese Verweise sollen später ans ERP-System übergeben und dort in Tabellen abgelegt werden. Keine Frage, es geht in Siebenmeilenstiefeln voran. Ein weiteres Beispiel: Jüngst ist Coscom upgedatet worden und somit die aktuelle Schnittstelle zu APplus freigegeben. Im Anschluss wird das ERP-System betreuende Team dies auf Herz und Nieren prüfen bzw. einsetzen. KOSTENOPTIMIERUNG BEI DER NUTZUNG VON WERKZEUGEN 04 Berg Spanntechnik konstruiert und produziert modulare Spann systeme für Umform- und Zerspanungsmaschinen, die an unterschiedlichsten stationären und rotierenden Schnittstellen eingesetzt werden Der Datenfluss vom ERP-System hin zum Coscom Eco-System funktioniert bereits einwandfrei. „Wir müssen aber noch prüfen, ob auch der Datenfluss zurück korrekt ist, weil in Coscom viel mehr Shopfloor-relevante Daten angelegt werden können, als dies im ERP möglich ist“, erklärt Oliver Oberkoch. Weitere Daten sollen schließlich über die noch zu implementierende Warehouse-Funktionalität von Coscom an APplus übergeben werden können. Die Coscom Warehouse-Module, ergänzend zum ToolDIREC- TOR VM, ermöglichen eine direkte Kommunikation. Den Lagerort und die Bestandsführung von Werkzeugkomponenten und Komplettwerkzeugen sowie mögliche Fehlteile zu identifizieren und somit die Verfügbarkeit zu steigern, macht die Werkzeuglogistik durchgängig transparent. Die Anbindung ans prozessführende ERP-System komplettiert den Werkzeuglogistik-Prozess. Ingo Kolberg erklärt: „In Tool- DIRECTOR VM gibt es einen durchgängigen Verwendungsnachweis. Mit dieser Funktion lässt sich einsehen, in welchen Artikeln, in welchen CAM/NC-Programmen, mit welchen Werkzeugkomponenten, auf welcher Maschine etc. bestimmte Werkzeuge für die Fertigung eingesetzt wurden. Damit ist bekannt, welche Top- und Flop-Listen von Werkzeugen mit welchen Ergebnissen benutzt wurden. Die Erfahrungen aus dem durchgängigen Prozess-Know-how können entsprechend zukünftig weiter wirtschaftlich genutzt werden, z.B. im Verbund ebenfalls mit dem ERP-System. Damit besteht die Möglichkeit, detaillierte Auswertungen hinsichtlich Verbräuchen, Beschaffungen und realen Kostenauswertungen durchzuführen!“ HOHE AKZEPTANZ BEI DEN WERKERN Oliver Oberkoch lobt das bisher Erreichte: „Alle Tätigkeiten werden in einer Benutzeroberfläche vereint abgebildet. Die Mitarbeiter müssen nicht mehr in fünf verschiedenen Systemen nach Informationen suchen. Der Schulungsaufwand wurde so minimiert.“ Zunächst gab es Vorbehalte unter den Werkern gegenüber der neuen Arbeitsumgebung, die aber einer breiten Akzeptanz gewichen sind. „Die Werker haben gemerkt, dass das Coscom- System wirklich gut ist - es bringt deutliche Verbesserungen gegenüber früher. Zum Beispiel können jezt im Infodatenblatt ‚vernetzte‘ Informationen hinterlegt bzw. zur Schichtübergabe mitgenutzt werden, zum Beispiel zu Problemen, die beim Aufruf eines CAM-Programms mehrfach aufgetreten sind“, so Oliver Oberkoch zufrieden. Bilder: Coscom www.coscom.de AUTOR Dr. Bernhard Valnion, freier Fachjournalist www.myfactory-magazin.de MY FACTORY 2026/06 11
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