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My Factory 4/2022

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My Factory 4/2022

BETRIEBSTECHNIK ZWEITES

BETRIEBSTECHNIK ZWEITES LEBEN FÜR AUSGEMUSTERTE HOLZPALETTEN MIT BRIKETTIERPRESSEN AUF NACHHALTIGKEITSKURS Mit inzwischen drei Brikettierpressen hat sich ein Palettenhersteller ein lukratives neues Geschäftsfeld erschlossen. Ausgemusterte Holzpaletten verarbeitet das Unternehmen zu Holzbriketts, die als CO 2 -neutraler Brennstoff besonders bei Kaminbesitzern begehrt sind. Das Geschäft soll weiter wachsen. Für Heribert Füngeling sind die Schonung der Natur, Recycling, Abfallvermeidung und eine hohe Wirtschaftlichkeit keine Widersprüche. Dass sich mit Wiederverwertung und einem sparsamen Umgang mit Ressourcen gute Geschäfte machen lassen, beweist der gelernte Forstwirtschaftsmeister mit seinem Unternehmen Füngeling Industrieservice. Kern der Gruppe sind das Geschäft mit Holzpaletten und Entsorgungsdienstleistungen für Industrieunternehmen, die der findige Unternehmer in den vergangenen zwei Jahrzehnten aufgebaut hat. Am Hauptsitz seines Unternehmens im nordrheinwestfälischen Erftstadt stellt er aus ausgemusterten Paletten jährlich rund 2 000 Tonnen Holzbriketts her. Diesen Geschäftszweig hat der Recyclingunternehmer vor etwa acht Jahren mit einer gebrauchten Brikettierpresse des Typs RB 440 von Ruf gestartet. Inzwischen setzt er zwei weitere Ruf-500-Anlagen ein, die jüngste ging erst kürzlich in Betrieb. UMSCHLAG VON BIS ZU 40 000 PALETTEN PRO TAG Heute gehen in dem Betrieb täglich zwischen 30 000 und 40 000 Paletten ein und aus. Etwa vier Fünftel des Palettengeschäfts entfallen auf maßgeschneiderte Lösungen, bei denen Füngelings Mitarbeiter das komplette Handling für Kunden übernehmen. Heißt: Sie stellen ihnen rechtzeitig neue Paletten auf den Hof, nehmen die benutzten nach dem Umlauf zurück, begutachten und reparieren sie gegebenenfalls, geben sie wieder zurück in den Kreislauf oder mustern sie aus. Die Kunden zahlen letztlich gut kalkulierbar pro Palettenumlauf und müssen sich nicht mehr um das Handling kümmern. Zudem liefert das Unternehmen Transportverpackungen aus Holz für verschiedenste Produkte vom Automobilmotor bis zum fünf Tonnen schweren Baukran- Führerhaus. Dabei achtet Füngeling stets darauf, dass nichts verschwendet wird. Sind Paletten nach einigen Umläufen etwa mit 24 MY FACTORY 2022/04 www.myfactory-magazin.de

BETRIEBSTECHNIK 01+02 Heribert Füngeling: Der Unternehmer verarbeitet ausgemusterte Holzpaletten zu Holzbriketts, die als CO 2 -neutraler Brennstoff besonders bei Kaminbesitzern begehrt sind Lebensmitteln unansehnlich geworden, setzt er sie in anderen Branchen ein, etwa in der Stein- oder Papierindustrie, wo sie weiter gute Dienste leisten. Ist eine Palette irreparabel beschädigt, wird sie meist nicht komplett ausgemustert, sondern zerlegt und die noch brauchbaren Teile für neue Paletten verwendet. Treibt man diesen Aufwand nicht, dauert ein Palettenleben vielleicht zehn Umläufe berichtet Füngeling. „Wir kommen auf 20, 30 oder sogar 40 Umläufe“, so der Unternehmer. 01 VERKAUF DER HOLZBRIKETTS NAHM RASANT FAHRT AUF Trotz dieser intensiven Ausnutzung des Materials war es ihm lange ein Dorn im Auge, dass er zahlreiche Palettenbretter irgendwann ohne großen Nutzen abgeben musste. „Alles, was hier bei mir auf dem Hof anfällt, möchte ich gerne verarbeiten“, lautet seine Philosophie. Er suchte eine sinnvolle Lösung und fand sie in der Brikettierung. Und so startete er vor etwa acht Jahren einen Versuch mit einer gebrauchten Ruf-Presse RB 440. Auch mit dieser Entscheidung lag er goldrichtig. Bald lief das Geschäft sehr gut, „die Briketts wurden uns geradezu aus den Händen gerissen“, freut sich Füngeling und erläutert: „Wir haben hervorragende Briketts, die aus relativ großen Spänen bestehen und beim Verheizen im Kamin ein äußerst schönes Brennbild zeigen.“ Dabei wird ausschließlich qualitätsgeprüftes, sauberes, MIT RECYCLING UND SPARSAMEM UMGANG MIT RESSOURCEN LASSEN SICH GUTE GESCHÄFTE MACHEN 02 naturbelassenes A1-Altholz eingesetzt. Je größer dabei die Späne, aus denen die Briketts gepresst werden, umso ähnlicher sehen die Briketts beim Verbrennen massiven Holzscheiten. Weil das Brikettgeschäft immer mehr Fahrt aufnahm und immer noch zulegt, beschaffte Füngeling zwei weitere Brikettieranlagen – diesmal vom Typ Ruf 500 – und will künftig auch anderen Palettenherstellern anbieten, deren Holzreste zu verarbeiten. Auch dieser Plan wird sich letztlich für alle Beteiligten lohnen. Denn die anderen Palettenhersteller müssen sich nicht mehr selbst um ihr Altholz kümmern und Füngeling kann die Wirtschaftlichkeit seiner Anlagen steigern. Mit der Verpressung der Holzreste zu einem Holzbrikett rechnet sich die Ruf-Anlage relativ schnell und hat sich innerhalb weniger Jahre amortisiert. AUSGELEGT FÜR DEN MANNLOSEN 24/7-BETRIEB Der Personalaufwand beim Betrieb der Brikettieranlagen ist gering. Sie sind für einen mannlosen 24/7-Betrieb ausgelegt. Wenn die Zufuhr der Holzreste durch ein Fördersystem automatisiert ist, müssen lediglich von Zeit zu Zeit die mit Holzbriketts gefüllten Sammelbehälter durch leere Gitterboxen ersetzt werden. Bei Füngeling läuft die Beschickung zwar derzeit noch manuell – eine Komplettautomatisierung ist aber schon geplant. Aktuell zerkleinern ein Shredder und eine Hammermühle die Bretter zunächst grob und dann etwas feiner. Danach entzieht ein Containertrockner den Spänen chargenweise einen großen Teil ihrer Feuchtigkeit. Die Wärme für den Trockner wird CO 2 - neutral in einer mit absolut unbelastetem A1-Altholz betriebenen Späneheizung erzeugt. Der Restwassergehalt wird dabei von etwa 22 bis 23 % auf circa 15 % gesenkt. Dies ist für die Herstellung von Qualitätsbriketts Voraussetzung, zum anderen wird der Brennwert der Briketts gesteigert. Diese trockenen Späne werden per Stapler in die Vorratsbehälter der Brikettierpressen gefüllt. Dort erkennen Sensoren, wenn ausreichend Material vorhanden ist und geben ein Signal, das die Presse startet. Umgekehrt stoppt die Anlage automatisch, wenn der Vorratstrichter leergefahren wurde. Der spezifische Pressdruck der Anlagen liegt bei 1 700 kg/cm2. Bei diesem hohen Druck entstehen Briketts hoher Festigkeit, es kann komplett auf Bindemittel verzichtet werden. Jedes Brikett misst 155 x 65 mm im Querschnitt und etwa 90 mm in der Höhe und wiegt jeweils annähernd 840 g. Bei Füngeling produziert jede der drei Ruf-Pressen etwa 500 Briketts pro Stunde. Die Anlagen sind so eingestellt, dass 12 Briketts ein 10 kg schweres Gebinde ergeben. Aus den Gitterboxen am Auslauf der Pressen entnehmen Mitarbeiter die Briketts und verpacken sie. www.myfactory-magazin.de MY FACTORY 2022/04 25

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