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Der Betriebsleiter 7-8/2020

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Der Betriebsleiter 7-8/2020

INTRALOGISTIK I TITEL 01

INTRALOGISTIK I TITEL 01 Gepusht für die Zukunft Retrofit der Antriebstechnik in einem Paketverteilzentrum Im Rahmen eines Retrofitprojekts im DPD-Paketverteilzentrum Worms installierte SEW-Eurodrive neue Antriebstechnik. Die Bruch- saler Automatisierungsexperten schafften den Umbau reibungslos in kürzester Zeit. Nachmittags gegen halb vier, kommt Leben in die riesige Halle der DPD Deutschland GmbH im rheinlandpfälzischen Worms. An 19 Toren des Verteilzentrums docken Abholfahrzeuge an und bringen Pakete jeglicher Formen und Größen aus Mannheim, Mainz, Heidelberg, Autorin: Andrea Balser, Referentin Fachpresse, SEW-Eurodrive, Bruchsal Bad Kreuznach, Monsheim, Gau-Odernheim und Bürstadt ins Zentraldepot. Der Paketeingang im Nahverkehr beträgt durchschnittlich 30 000 Pakete pro Tag. Je nach Saison steigt diese Zahl auf bis zu 38 000. Im Fernverkehr werden in Spitzenzeiten 42 000 bis 48 000 Pakete bearbeitet. „Unser Ziel ist es, dass bis 21 Uhr hier wieder Ruhe einkehrt. Dann sollte sämtliche Ware verteilt und verladen sein“, sagt Michael Meitzler, Umschlagsleiter bei DPD Worms. Damit das gelingt, muss die Technik stimmen. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Pusher funktionieren“, konstatiert Michael Feneis, technischer Leiter Depot 167 DPD Worms. „Deshalb setzen wir auf SEW- Eurodrive.“ Antriebs- und Steuerungstechnik des Bruchsaler Automatisierungsspezialisten war schon von Anfang an in der Anlage, die 1994 in Betrieb genommen wurde, verbaut. Die Antriebe der Pusher (Abweiser), die die Pakete vom Stahlförderband in die richtige Richtung zur Ausgangswechselbrücke lenken, waren in die Jahre gekommen und mussten erneuert werden. Im Rahmen eines Retrofitprojekts wurde entlang der Sorterlinie B die Antriebs- und Steuerungstechnik 2019 komplett erneuert: 28 Pusher, die in Material und Mechanik wie bisher verblieben sind, erhielten neue Antriebe. Neben den Synchronmotoren installierte SEW-Eurodrive sechs Schaltschränke mit jeweils einem Controller, einem Versorgungsmodul und bis zu fünf Achsmodulen. Jedes Einzel-Achsmodul steuert den Synchronmotor eines Pushers und sorgt dafür, dass die Pakete zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle einen ordentlichen Schubs bekommen. Dadurch werden sie auf die korrekte Förderstrecke zur Wechselbrücke und somit zur richtigen Destination gelenkt. Umbau in kürzester Zeit Das Retrofitprojekt war für ein Wochenende ausgelegt. Freitags nach Schichtende in der DPD-Halle rückte Gabriel Currle, Service Elektronik SEW-Eurodrive und Projektleiter 26 Der Betriebsleiter 07-08/2020 www.derbetriebsleiter.de

TITEL I INTRALOGISTIK 02 03 01 Neue synchrone Servomotoren der Baureihe CMP(Z)80L (schwarz) von SEW- Eurodrive wurden entlang der Sorterlinie B an den Pushern installiert 02 Blick in einen neuen Schaltschrank mit Steuerung 03 Die reibungslosen Abläufe im Paketverteilzentrum hängen von der korrekten Funktion der Pusher ab des Wormser Vorhabens, mit seinem Team zu den ersten vorbereitenden Arbeiten an der Sorter-Linie B an. Zwei Elektroinstallateure sowie zwei Monteure des Service Mechanik nutzten den Samstag für die Demontage der bisherigen Schaltschränke, die Montage der neuen Schaltschränke, die Demontage der alten Antriebe, die Montage der neuen Antriebe sowie die komplette Leitungsverlegung. Die Konfiguration der Antriebsfunktionen, die Datensicherung sowie Tests und die Inbetriebnahme übernahmen zwei Serviceingenieure des Elektronikservice. Am Abend war alles erledigt – der Sonntag blieb frei. „Ich hätte nie gedacht, dass das alles an einem Tag geht“, zeigt sich Michael Feneis beeindruckt. Der Technikleiter lobt ausdrücklich den reibungslosen Ablauf des Umbaus und den SEW-Service: „Darauf kann man sich wirklich verlassen!“ Die Pusher der Sorterline A sind teilweise mit über 25 Jahre alter Technik ausgestattet. „Die tut noch das, was sie soll“, bestätigt der Technikleiter und betont, dass dies für die Zuverlässigkeit und Qualität der SEW-Produkte spricht. Auch sonst läuft im Wormser Verteilzentrum von Anfang bis Ende alles rund: Die Paketdaten werden an den Eingangstoren in der Entladestation an zwei zentralen Scanstationen erfasst: Abmaße, Volumen, Gewicht. Samt Zieladresse sind alle Paketdaten von nun an im Rechner hinterlegt. Von der Scanstation aus werden die Pakete zu den beiden Stahlbandsortern A und B transportiert und durchlaufen die Lesestation, an der die Zieladresse am Label detektiert wird. Mittels Drehgeber wird nun genau derjenige Pusher angesteuert, der das Paket zur korrekten Wechselbrücke bugsiert – vollflächig und punktgenau, damit das Paket sauber den plötzlichen, sehr schnellen Richtungswechsel vollzieht. „Die Herausforderung besteht darin, dass bei der Vielfalt der unterschiedlichen Pakete der Pusher exakt den richtigen Punkt trifft. Sowohl Beschädigungen als auch Stau sind unbedingt zu vermeiden“, gibt Michael Meitzler zu bedenken. Lichtschranken würden einen Stau erkennen und das Band stoppen. Für die Zukunft gewappnet Die Paketverteilung funktioniert aktuell ohne Bildverarbeitung und weitere Sensorik einwandfrei. Sie ließe sich aber aufrüsten: Sollte zum Beispiel an den Abweisstationen eine Kraft- und Lageregelung des Pusherausschlags erfolgen, um die Pakete individuell und schonend zu behandeln, wäre das mit Movi-C-Komponenten schon heute möglich: „Darauf sind wir vorbereitet. Das jetzt installierte Automatisierungssystem könnte eine Regelung mit neuer Sensorik sofort umsetzen“, bekräftigt Gabriel Currle. Auch Michael Feneis sieht die Anlage für die Zukunft gerüstet: „Bei einem eventuellen Ausfall eines Moduls können wir es einfach per Plug and Play austauschen, ohne neue Parametrierung. Denn der Movi-C- Controller übernimmt die komplette Datenhaltung des Achsverbundes in der Anlage. Hinsichtlich der Wartung müssen wir lediglich ab und zu die Filter am Klimagerät des Schaltschranks wechseln. Ansonsten bleibt für uns nur ein minimaler Wartungsaufwand“, bestätigt Michael Feneis. Bilder: SEW-Eurodrive www.sew-eurodrive.de 04 Michael Feneis, DPD Worms, Gabriel Currle, SEW-Eurodrive sowie Michael Meitzler, DPD Worms (v. li.) sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis des Retrofitprojekts Punktgenaue Bewegung Das Projekt im Detail Im Zuge des Retrofits hat SEW-Eurodrive bei DPD in Worms neue Pusher-Antriebe und sechs Schaltschränke auf Basis des Movidrive Movi-C-Mehrachs-Servoverstärkersystems installiert. Vier Schaltschränke sind jeweils mit einem Movi-C-Controller und einem Versorgungsmodul MDP mit fünf Einachsmodulen MDA ausgestattet, zwei Schaltschränke jeweils mit einem Movi-C-Controller und vier Achsmodulen. Jedes Achsmodul (Frequenzumrichter) steuert den Synchronmotor eines Pushers. Im Schaltschrank ist außerdem ein Pilz-Sicherheitsschaltgerät verbaut, das auf die STO-Kontakte der Achsmodule wirkt. SEW-Eurodrive übernahm die Demontage der bisherigen und Montage der neuen Schaltschränke, die Demontage der alten und Montage der neuen Antriebe, die komplette Leitungsverlegung, Konfiguration der Antriebsfunktionen, Datensicherung, Tests, Inbetriebnahme sowie die Einweisung des Bedienpersonals in die neue Produktfamilie. www.derbetriebsleiter.de Der Betriebsleiter 07-08/2020 27

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