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Der Betriebsleiter 5/2020

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Der Betriebsleiter 5/2020

MILLIONEN LITER ÖL AUS

MILLIONEN LITER ÖL AUS SCHLEIFSCHLAMM RECYCELT 01 02 In ihren Werken in Passau und dem benachbarten Thyrnau hat die ZF Friedrichshafen AG in den vergangen zwölf Jahren rund 1,75 Millionen Liter wertvolles Öl durch das Verpressen der Schleifschlämme in Brikettieranlagen zurückgewonnen. Neben der Umweltentlastung stehen große wirtschaftliche Vorteile: Die Pressen amortisierten sich in einem halben Jahr beziehungsweise in rund zwei Jahren. 03 UMWELTTECHNIK Die ZF Friedrichshafen AG ist einer der weltweit größten Automobilzulieferer. In den beiden Passauer Werken fertigt ZF jährlich rund 200 000 Achsen und Getriebe sowie weitere Antriebskomponenten, die weltweit z. B. in Land- und Baumaschinen, Staplern, und Sonderfahrzeugen zum Einsatz kommen. Am Standort Thyrnau produzieren die Mitarbeiter Kegelradsätze sowie Stirnräder – insgesamt rund zwei Millionen pro Jahr. Gerade in der Automobilindustrie zählt neben Innovation, hervorragender Qualität und maximaler Zuverlässigkeit die Wirtschaftlichkeit zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren. Mit zwei Brikettierpressen von Ruf trägt der Konzern im Passauer Werk 1 und am Standort Thyrnau genau dazu bei und entlastet gleichzeitig die Umwelt: In neun bzw. zwölf Betriebsjahren und in Summe ca. 100 000 Betriebsstunden gewannen die Brikettieranlagen der beiden Werke aus Schleifschlämmen, die in der Produktion anfallen, in Thyrnau gut 1,5 Mio. und in Passau rund 250 000 l Öl zurück. Diese Mengen sparten sie letztlich beim Frischöleinkauf ein. Das entspricht zu aktuellen Preisen einem Gesamteinkaufswert von rund 2,2 Mio. EUR netto. Die Anlagen leisten zudem einen wichtigen Beitrag zur Ressourcen- schonung. Denn vorher blieben große Teile dieser Ölmengen im Schleifschlamm und wurden zusammen mit ihm entsorgt. 300 TONNEN SCHLEIFSCHLAMM PRO JAHR In Thyrnau entstehen an 35 Schleifmaschinen zwischen 250 und 300 t Schleifschlamm pro Jahr. Dieser besteht rund zu einer Hälfte aus Stahlpartikeln mit Schleifscheibenabrieb, zur anderen Hälfte aus Schleiföl. Bis 2006 hatten die Techniker mit eigenen Konstrukti- 01 Die Ruf-Brikettieranlage im Werk Thyrnau hat seit 2007 rund 1,5 Mio. l Schleiföl aus Schleifschlämmen zurückgewonnen 02 Der Schleifschlamm aus der Stahlbearbeitung wird in Behältern zur Brikettierpresse transportiert und per Gabelstapler in den Vorratstrichter gefüllt 03 Über eine Auslaufschiene schiebt die Ruf-Anlage den zu Briketts komprimierten und weitgehend ölfreien Schleifschlamm direkt in Sammelbehälter S18 SUPPLEMENT 1/2020

® onen Teile des Öls aus dem Schlamm herausgepresst. „Doch damit konnten wir bei Weitem nicht diese großen Öl-Mengen zurückgewinnen, wie es mit der Ruf-Presse gelingt“, so Johann Zinöcker, der im Werk das Umwelt- und Energiemanagement verantwortet. Den Fortschritt in der Ölrückgewinnung hat Ruf-Vertriebsleiter Andreas Jessberger ausgelöst, der 2006 in einer Fachzeitschrift über die Produktion im Werk Thyrnau gelesen hatte und daraufhin die Werkleitung auf die Potenziale der Brikettieranlagen hinwies. Probeverpressungen des Schlamms am Ruf-Sitz in Zaisertshofen überzeugten die Manager in Thyrnau von den Vorteilen und bereits 2007 nahm eine Ruf 4/2800/60S ihren Betrieb auf. Befüllt wird die Anlage durch Gabelstapler, die aus Sammelbehältern jeweils 0,4 m³ Schleifschlamm in den Vorratstrichter der Presse kippen. Die für mannlosen Betrieb ausgelegte Anlage startet automatisch, sobald sich im Einfülltrichter genügend Material befindet und stoppt selbstständig, wenn der Schleifschlamm komplett verarbeitet ist. Die durch einen 4 kW starken Elektromotor angetriebene Anlage von Ruf komprimiert den Schleifschlamm und presst dabei den größten Teil des Öls heraus. Übrig bleiben weitgehend entölte Briketts, die aus feinem Metallabrieb sowie einem geringen Anteil Restöl bestehen. ZWEISTUFIGES FILTERSYSTEM REINIGT DAS ÖL AUTOMATISCH Das beim Pressen auslaufende Öl wird aufgefangen und durch ein zweistufiges Filtersystem, das ZF in Thyrnau selbst konzipiert hat, gereinigt. Für das Werk in Passau hat Ruf diese Filterlösung direkt in die Brikettieranlage integriert. Eine Grobfilterung hält Elemente zurück, die größer als 160 μm sind. Darauf folgt eine zweite Stufe, die auch Partikel ab 40 μm abscheidet. Von dort läuft das Öl in einen IBC- Container, der 1 m 3 fasst. Die vollen Behälter bleiben nun vier Tage unbewegt, sodass sich noch vorhandene Feststoffe am Boden ablagern. Nach dieser Sedimentationsphase pumpt ZF das Öl von oben ab und setzt es ohne weitere Behandlung wieder in den Schleifmaschinen ein. Der Aufwand für den Betrieb ist gering. Neben dem Befüllen der Anlage mit Schleifschlamm ersetzen Mitarbeiter lediglich die vollen IBC-Container mit dem recycelten Öl durch leere, sie transportieren die Sammelbehälter mit den Briketts ab und tauschen regelmäßig die Filtermedien aus. Daneben reinigen sie die Anlage in einem festgelegten Turnus. Etwa alle sechs Wochen erhält die Anlage im Werk Thyrnau einen neuen Pressstempel, einmal im Jahr eine gründliche Wartung. Alle Arbeiten führen die Mitarbeiter der Instandhaltung des Werks selbst aus. Der Stempelverschleiß ist dem relativ hoch gewählten Pressdruck geschuldet. Doch im konkreten Fall rechnet es sich, mit dem hohen Druck die Ölausbeute zu erhöhen und den Stempel entsprechend häufiger zu wechseln. Die Gesamtkosten für Wartung und Verschleißteile sind minimal und stabil. So werden pro Kilogramm zurückgewonnenem Öl rund 1,50 EUR eingespart. Dem stehen 0,18 EUR Betriebskosten für Wartung und Verschleißteile gegenüber – also rund 12 % der erzielten Einsparung. „Durch das Pressen gewinnen wir aus dem Schleifschlamm zwischen 100 und 120 t Öl pro Jahr zurück“, erläutert Johann Zinöcker. Da das Öl nur eine Dichte von rund 0,85 g/cm 3 besitzt, entsprechen diese Massen einem Volumen von etwa 120 bis 140 m³. Neben der Umweltentlastung durch Recycling statt Entsorgen des Öls ergeben sich hohe wirtschaftliche Vorteile. Bei einem aktuellen Kilopreis des Öls von knapp 1,50 EUR netto spielt die Presse derzeit jährlich zwischen rund 150 000 und 175 000 EUR an Ersparnissen ein. Zudem sinken die Entsorgungskosten für den brikettierten Rest-Schleifschlamm, da es sich nur noch um geringere Mengen handelt. Nach der Anschaffung 2007 – bei damals noch deutlich niedrigeren Durchsätzen – ergab sich für die Ruf-Presse eine Amortisationszeit von unter einem halben Jahr. „Mit dem heutigen Volumen ginge das noch etwas schneller“, resümiert Zinöcker. Innovationen rund ums Heizen und Beheizen Flexible elektrische Heiztechnik • Analyseschläuche • Ex-Beheizungen • Begleitheizungen • Heizmanschetten • Sonderlösungen INSPIRIERT DURCH GUTE ERFAHRUNGEN Mit seiner Brikettierpresse vollauf zufrieden ist auch Leo Schauer, Leiter der Instandhaltung im Leistungscenter Stahl des Werks 1 am ZF-Standort Passau. Inspiriert durch die guten Erfahrungen seiner Kollegen im Werk Thyrnau trieb Schauer 2010 den Einsatz einer Brikettierpresse im Passauer Werk voran. Anfang 2011 ging die Anlage – ebenfalls vom Typ Ruf 4/2800/60S – in Betrieb. Im Passauer Werk fällt in Summe weniger Schleifschlamm an. Deshalb ist die Anlage auch nur drei bis vier Schichten pro Woche in Betrieb. So gewinnt sie jährlich etwa 35 000 l Schleiföl zurück, was sich seit der Inbetriebnahme 2011 auf insgesamt rund 350 m³ summiert. Die Amortisationszeit lag damit bei etwa zwei Jahren. Unterm Strich, so fasst Schauer zusammen, ist „die Maschine quasi ein Selbstläufer“. Am Standort Passau arbeitet die Presse an drei bis vier Tagen pro Woche jeweils acht Stunden. Im Werk Thyrnau dagegen läuft die Anlage 24 Stunden täglich, an fünf bis sechs Tagen in der Woche. Und das ebenfalls äußerst zuverlässig – „seit der Inbetriebnahme haben wir keine gravierende Störung erlebt“, berichtet Johann Zinöcker. Fotos: Ruf Maschinenbau www.brikettieren.de Hillesheim GmbH Am Haltepunkt 12 D-68753 Waghäusel Tel.: 0 72 54 / 92 56-0 E-Mail: info@hillesheim-gmbh.de www.hillesheim-gmbh.de

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