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MY FACTORY 4/2021

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MY FACTORY 4/2021

PRODUCTION EXCELLENCE

PRODUCTION EXCELLENCE Harting Applied Technologies ist eine eigenständige Gesellschaft innerhalb der Harting Technologiegruppe. Sie entwickelt, konstruiert und fertigt in zwei unabhängigen Teilbereichen Spritzgieß- und Druckgießwerkzeuge für Aluminium und Zink sowie Montagesysteme und Sondermaschinen. Alle Kunden des Werkzeugbaus kommen aus der Harting Technologiegruppe, die Tochtergesellschaft arbeitet also rein für interne Kunden. Im Bereich Montagesysteme werden jedoch auch externe Kunden bedient. Im Werkzeugbau fertigt das Unternehmen mit 49 Mitarbeitenden hochpräzise und produktive Werkzeuge in Ein- und Mehrkomponententechnik. Die Bandbreite der Produkte reicht von relativ großvolumigen Gehäusebauteilen für Steckverbinder aus Kunststoff und Aluminium bis hin zu Mikrospritzgießteilen mit Schussgewichten unterhalb von 1 g und Strukturgrößen unter 100 µm mit höchsten Ansprüchen an die Oberflächengüte. Zusätzlich zur Herstellung der Spritzgießwerkzeuge ist die Entwicklung zugehöriger Spritzgießprozesse für die Herstellung von Metall-Kunststoff-Verbundbauteilen ein Schwerpunkt des Unternehmens. Die Prozesskette im Werkzeugbaubetrieb bei Harting umfasst eine eigene Vorentwicklung für neue Fertigungsverfahren und -konzepte sowie eine umfassende und frühzeitige Beratung der Kunden. Die Herstellung von Werkzeugen umfasst Engineering, Konstruktion, Fertigung und Montage in einem umfangreich ausgestatteten Technikum. „Wir haben uns für die Zukunft gut aufgestellt“, sagt Dr.-Ing. Volker Franke, Geschäftsführer der Harting Applied Technologies GmbH. „Wir verfügen über leistungsfähige Maschinen, durch umfangreiche Automatisierung haben wir eine hohe Maschinenauslastung in allen Fertigungstechnologien und wir entwickeln innovative Lösungen. Und unsere Mitarbeiter haben ein hohes Bewusstsein für Vision und Strategie. Um an diesen Punkt zu kommen, haben wir nach und nach verschiedene Optimierungsmaßnahmen umgesetzt.“ 01 01 Druckgusswerkzeug für Schutzkappe ZU UNSEREN STÄRKEN ZÄHLEN DAS EIGENVERANTWORTLICHE TEAM UND DIE HARTNÄCKIGKEIT ZUR KONTINUIERLICHEN VERBESSERUNG. HINZU KOMMT EINE LANGFRISTIGE STRATEGIE, UM DIE SICH ÄNDERNDEN KUNDENANFORDERUNGEN FRÜHZEITIG ZU ERKENNEN UND ZU UNTERSTÜTZEN.“ Dr.-Ing. Volker Franke, Geschäftsführer der HARTING Applied Technologies GmbH DIGITALE WERKZEUGKARTE BÜNDELT DATEN Die digitale Werkzeugkarte ist ein wesentlicher Schritt, um die benötigten technischen Daten und Informationen zu bündeln, schnell einen Überblick und Zugriff auf diese zu bekommen. Alle Abteilungen auf dem Shopfloor speichern die Daten und Informationen, die für den Gesamtprozess notwendig sind, in diesem Dokument. So kann zu jedem Zeitpunkt der Fertigung des Werkzeugs auf die schon gesammelten Informationen zugegriffen werden. Die digitale Werkzeugkarte kann mittels eines QR- Codes schnell und unkompliziert geöffnet werden. Durch die in der Datei vorliegenden Hyperlinks ist ein schneller und sicherer Zugriff auf Stellen im Dokument möglich. Es ist eine Übersicht, mit der die schon bearbeiteten und die noch fehlenden Dokumente auf dem Deckblatt schnell ersichtlich sind. „Wir sehen in der digitalen Werkzeugkarte einen erheblichen Mehrwehrt zu dem Arbeitsprozess davor, in dem alle Dokumente einzeln an unterschiedlichen Stellen gepflegt wurden“, sagt Reiner Hußmann, Leiter Werkzeugbau bei Harting Applied Technologies. AUTOMATISIERUNG UND DURCHGÄNGIGKEIT Zudem setzt Harting Applied Technologies auf die CAD/CAM- Software Cimatron von 3D Systems, die eine komplette Datendurchgängigkeit im Formenbau ermöglicht. Diese Softwarelösung ermöglicht, dass das Programm für das Senkerodieren direkt beim Elektrodenableiten fertiggestellt wird. Mit Cimatron können die Elektroden direkt vom Werkstück abgeleitet, die Parameter für das Erodierprogramm voreingestellt und danach das Programm gepostet werden. Diese Durchgängigkeit und Automatisierung trägt zu einer schnelleren Durchlaufzeit und zu einer sichereren Produktion

PRODUCTION EXCELLENCE 02 bei. Fehler bei der Datenübernahme werden auf ein Minimum reduziert. Die Zuordnung der Elektroden und der Fräsprogramme erfolgt ebenfalls automatisch im Workcenter wodurch ein Verwechseln der Elektroden mit dem Fräsprogramm praktisch unmöglich ist. Ein Vorteil ist außerdem die Verwendung von Standardgrößen bei den Elektrodenrohlingen. Vor dem Umstieg auf 3D Systems, der sich seit 2002 schrittweis vollzog, arbeitete die Harting-Tochtergesellschaft mit anderen Softwarelösungen, die keine Datendurchgängigkeit boten. Fehlende Datendurchgängigkeit führt allgemein zu Ausschuss bei der Produktion, da es zu Fehlern bei der Datenübernahme zwischen einzelnen Produktionsschritten kommt. Der gesamte Prozess des Formen- und Werkzeugbaus konnte mit der neuen Lösung von 3D Systems optimiert werden. Dies wirkte sich nachhaltig positiv auf die Werkzeugqualität aus, und auch die Lieferzeiten wurden durch die Automatisierung beschleunigt DAS TEAM UND DIE STRATEGIE Dr. Franke sieht bestimmte Qualitäten, mit deren Hilfe sich die Harting-Tochtergesellschaft am Markt behauptet: „Zu unseren Stärken zählen das eigenverantwortliche Team und die Hartnäckigkeit zur kontinuierlichen Verbesserung. Hinzu kommt eine langfristige Strategie, um die sich ändernden Kundenanforderungen frühzeitig zu erkennen und zu unterstützen“, sagt Dr. Franke. Für jeden Geschäftsbereich gibt es eine klar definierte Stragtegie, die Roadmaps mit definierten Handlungsfeldern und Zielen einschließt. Harting Applied Technologies setzt dabei auf einen kaskadierten Strategieentwicklungsprozess, der vom langfristigen Plan (10 Jahre: Route 2030) über drei Stufen bis zum konkreten Plan für ein Geschäftsjahr (5-3-1 Jahre, Four Sector Target House) führt. „Wichtig ist die kontinuierliche Einbindung der Mitarbeiter in den Strategieprozess. Dessen Ablauf folgt einem Strategiejahreskalender“, erläutert Dr. Franke. „Die Mitarbeitenden sind an Planungs- und Strategieprozessen beteiligt. Sie haben Freiraum zur Entwicklung von eigenen Lösungen in den verschiedenen Teams oder auch teamübergreifend“, erklärt Reiner Hußmann. Hußmann betont auch, dass man Menschen nicht direkt motivieren kann, sondern nur eine motivierende Umgebung schaffen könne. Dies werde seit Jahren von der Führungsmannschaft gelebt. Verantwortung werde übertragen; „Fehler“ werden als „Schätze für Verbesserungen“ gesehen. „Wir sind sozusagen auf einer andauernden Lernreise“, erklärt Hußmann. BLICK IN DIE ZUKUNFT Franke und Hußmann sind sich beide sicher, dass künftig die Umweltaspekte immer wichtiger werden. „Das wird auch Auswirkungen auf die Gestaltung der eigenen Prozesse und Produkte haben. Es wird einen Innovationsschub geben. Wichtig ist, sich frühzeitig darum zu kümmern, Trends zu verfolgen und Kompetenzen zu entwickeln und somit heute die Weichen für die Situation in drei bis fünf Jahren zu stellen“, sagt Dr. Franke abschließend. Bilder: HARTING Applied Technologies GmbH www.harting.com/HAT 02 Die Mitarbeiter spielen für den Erfolg des Werkzeugbaubetriebs eine große Rolle, sie sind an Planungsprozessen beteiligt, haben ein hohes Bewusstsein für Vision und Strategie UNTERNEHMEN HARTING Applied Technologies GmbH & Co. KG Wilhelm-Harting-Straße 1, 32339 Espelkamp Telefon: 05772 4797500 AUTOR Michael Klose, Manager Media & Public Relations, HARTING Technologiegruppe. DIE SOFTWARELÖSUNG Cimatron ist eine durchgängige CAD/CAM- Lösung von 3D Systems für den Werkzeugund Formenbau. Sie umfasst alle Prozesse, vom Angebot bis zum finalen Entwurf. Die Software bietet eine breiten Palette an speziellen Werkzeugen für die Anwendung im Werkzeug- und Formenbau sowie CNC-Technologien vom einfachen 2.5-Achsen-Fräsen und Bohren bis hin zur komplexen 5-Achsen-Bearbeitung. Damit können Anwender ihre Wettbewerbsfähigkeit über alle Fertigungsprozesse hinweg verbessern. www.3dsystems-software.de www.myfactory-magazin.de MY FACTORY 2021/04 17

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