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MY FACTORY 10/2021

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MY FACTORY 10/2021

SMART NEWS Bild: Turkish

SMART NEWS Bild: Turkish Machinery, 02 zapp2photo – stock.adobe.com Protektionismus. Im Low-Technology-Segment ist China daher unschlagbar. Dies hat zur Folge, dass die Türkei kaum Waren nach China exportiert. Betrachten wir die USA, konnten wir bis zur Corona-Pandemie mit unserer Exportquote zufrieden sein. Mit der Pandemie ist der Bedarf an Maschinen und Anlagen für den US-Luftfahrtsektor jedoch zurückgegangen und die Arbeitslosigkeit angestiegen. Der US-Markt spielt für die Türkei eine wichtige Rolle. Denn die in die USA exportierten Maschinen haben einen hohen Wert schöpfungsanteil, und unsere Exportpreise pro Einheit sind auf einem guten Niveau. Europa müssen wir detaillierter betrachten. Der für uns wichtigste Markt in Europa ist Deutschland, und zwar nicht nur als Absatzmarkt, sondern auch als wichtiger Partner und Leistungsträger. Die Maschinenexporte nach Deutschland sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Gleichzeitig sind unsere Importe aus Deutschland relativ hoch. Wir erwarten, dass sich die Handelsbilanz in naher Zukunft einpendeln wird. Länder wie Italien, Frankreich und die Niederlande sind ebenfalls wichtige Handelspartner für uns. Zusammenfassend würde ich sagen, dass China im fairen Wettbewerb nicht als Gefahr eingestuft werden sollte; Deutschland ist und bleibt in Sachen Technologie unser Vorbild, von dem wir viel lernen können. NICOLE STEINICKE: Worin sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen, einerseits bedingt durch die Schwierigkeiten der Corona-Pandemie, andererseits durch den internationalen Wettbewerb? KUTLU KARAVELIOğLU: Das Corona-Virus hat uns gezeigt, wie sensibel und zerbrechlich die Welt ist, in der wir leben. Kategorisierungen zwischen Industrie, Natur, Gesellschaft und Mensch wurden überflüssig und wir haben erkannt, dass es um das große Ganze geht und wir eine umfassende Herangehensweise und Umgangsart mit Umwelteinflüssen wie der aktuellen Pandemie benötigen. Wir haben feststellen müssen, dass die Menschheit in keiner Weise auf eine derartige Pandemie vorbereitet ist. Beim Thema Wettbewerb sind alle internationalen Wirtschaftsakteure sehr routiniert. Aufgrund der Globalisierung wissen wir, wie klein die Welt doch ist, was, wo und wie produziert werden muss. Auf der anderen Seite hat die Pandemie uns Maschinenbauer gelehrt, dass Produkte nicht über den Preis, sondern über ausgezeichnete Technologie und Zuverlässigkeit vermarktet werden: „Erhöhe deine Preise, aber nicht das Risiko“. Die Zeiten, in denen immer mehr Kompromisse in Bezug auf Qualität, sprachliche Barrieren oder Zeitzonen gemacht wurden, sind vorbei. Die Beziehungen gen Osten sind auf dem Abwärtstrend und Europa konzentriert sich wieder auf den eigenen Beschaffungsmarkt. Wir müssen die Probleme, die sich durch uns Menschen, durch die Natur und durch unsere Gesellschaft entwickelt haben, nun aus einer anderen Perspektive betrachten. Der europäische Green Deal und die Digitalisierungsstrategien Europas geben uns hier Anhaltspunkte. NICOLE STEINICKE: Was erwartet uns in 2021? KUTLU KARAVELIOğLU: Während wir 2020 noch die Covid- Fallzahlen beobachteten, verfolgen wir dieses Jahr die Zahl der geimpften Personen – das bringt Hoffnung und gleichzeitig Ungeduld. Experten erwarten ein globales Wirtschaftswachstum von 4 %. Der Handel von Waren und Maschinen soll um etwa 8 % steigen. Dennoch erreichen wir noch nicht das Niveau von 2019. Der Vergleich Q1-2019 vs. Q1-2021 zeigt, dass wir die Exporte um 750 Mio. USD steigern und die Pandemie hinter uns lassen konnten. Zum Jahresende wird ein Anstieg der Exporte um 13 % erwartet, sodass wir ein Exportvolumen von 21 Mrd. USD erreichen sollten. Der Anteil Deutschlands wird hier 15 % sein. Gleichzeitig werden wir aus Deutschland Waren im Wert von 4,5 Mrd. USD importieren. NICOLE STEINICKE: Sie sprechen davon, jetzt die richtigen Strategien, Konzepte und Business-Modelle auszuarbeiten. Wie möchten Sie hier vorgehen? KUTLU KARAVELIOğLU: Es gibt keine pauschal anwendbare globale Strategie. Was ich aber sagen kann ist, dass die kommenden Maßnahmen aktuelle Faktoren wie Klimawandel, Digitalisierung, Naturkatastrophen, Energieressourcen sowie Migrationsbewegungen und die damit verbundenen Erschwernisse für die Branche mitberücksichtigt werden müssen. Auf der anderen Seite müssen Herausforderungen wie die Marktwirtschaft China und Handelskriege mit einfließen. Wir leben in einem schwierigen Zeitalter und müssen in unseren Lösungsstrategien neu denken. Dabei steht beispielsweise der Ausbau von Kooperationen ganz weit oben auf der Agenda. Denn nur gemeinsam sind wir stark. 24 MY FACTORY 2021/10 www.myfactory-magazin.de

SMART PRODUCTION NICOLE STEINICKE: Besorgniserregend sind die steigenden Importe aus China. Im Verhältnis zu 2019 sind diese im Jahr 2020 um 49,9 % gestiegen. Es ist zu erwarten, dass China die offensiven Exportstrategien fortsetzen wird. Wie kann man sich dagegen behaupten? KUTLU KARAVELIOğLU: Ich hoffe, dass die hohe Importquote aus China pandemiebedingt ist. Denn wie wir wissen, ist China am schnellsten zur Normalität zurückgekehrt. Dennoch gehe ich davon aus, dass diese Entwicklung nicht nachhaltig sein wird. China muss die Grenzen öffnen sowie indirekte Staatshilfen und Finanzierungen stoppen. Kurzum: China den Rücken zu kehren, wäre der falsche Weg, situationsbedingt ist es aber die logische Konsequenz. Wir müssen also dafür sorgen, dass China seine Türen öffnet und ein Miteinander in einem fairen Wettbewerbsrahmen möglich wird. NICOLE STEINICKE: Neben den Herausforderungen der Globalisierung müssen sich gerade auch kleine und mittelständische Betriebe mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen. Was bedeutet das für die Unternehmen? KUTLU KARAVELIOğLU: Natürlich beschäftigen sich unsere Unternehmen aktiv mit dem Thema Digitalisierung. Aber wir sind noch am Anfang, auch wenn der Begriff Industrie 4.0 dieses Jahr sein 10-jähriges Jubiläum feiert. Die Nase vorn haben hier die Branchen Konsum güter und Finanzwesen, gefolgt von der Produktionsgüterindustrie. Das ist nicht nur bei uns in der Türkei so. Bis auf wenige Ausnahmen der EU-Mitgliedsstaaten ist die Situation ähnlich. Aus meiner Sicht ist es wichtig, die Basis und Infrastruktur zu schaffen, auf der die Digitalisierung der Unternehmen aufsetzen kann. Doch wie müssen sie die digitale Transformation angehen? Wichtig ist, ein „digitales Verständnis“ zu entwickeln und dazu haben wir ein „Glossar“ herausgebracht. Schauen Sie einfach einmal unter folgendem Link und stöbern Sie ein wenig: www.digital-glossary.com. Als nächstes folgt ein „Digitalisierungs-Guide“, der die unterschiedlichen Branchen beleuchtet. NICOLE STEINICKE: Wie weit ist der Maschinenmarkt im Bereich der Digitalisierung, beispielsweise mit „Machine Learning“? Diese Technologie gilt als wegweisend für Maschinen und Anlagen der Zukunft. KUTLU KARAVELIOğLU: Machine Learning und Deep Learning sind für unsere Branche sehr wichtig. Um diese Technologien sinnvoll nutzen und weiterentwickeln zu können, benötigen wir eine stabile Infrastruktur. Der Bedarf an 5G-Technologie ist in diesem Zusammenhang hoch! Solange 5G nicht flächendeckend verfügbar ist, können wir diesen Wandel aus meiner Sicht nicht effizient umsetzen. Bisher sind wir sehr gut aufgestellt im Bereich digitaler Service-Dienstleistungen, Predictive Maintenance und Condition Monitoring mit IIoT. Unser Ziel ist jedoch, Maschinen und Anlagen mit Intelligenz auszustatten und Entwicklungen, z. B. in der kollaborativen Robotik voranzutreiben. Wir fordern daher Open-Source-Software- Lösungen, damit auch KMU hiervon partizipieren können. NICOLE STEINICKE: Wo können sich Unternehmen über den türkischen Maschinenbau informieren und wie kommen Sie an konkrete Hilfestellung? Wie bereits eingangs erwähnt, ist Deutschland in jeder Hinsicht ein attraktives Partnerland für türkische Maschinenbauer. Damit wir die Aktivitäten und Entwicklungen unmittelbar verfolgen können, haben wir in Braunschweig eine Niederlassung. Herr Ahmet Yilmaz ist als Deutschland Repräsentant mit seinem Team vor Ort und steht in stetigem Austausch mit Unternehmen, Organisationen, Institutionen und Partnern von Turkish Machinery. Sie unterstützen gerne bei allen Vorhaben und Fragen rund um den türkischen Maschinenbau und sind erreichbar unter der E-Mail-Adresse: deutschland@turkishmachinery.org Das Interview führte Dipl.-Ing. (FH) Nicole Steinicke, Chefredakteurin, MY FACTORY. http://turkishmachinery.org/de IMPRESSUM erscheint 2021 im 62. Jahrgang, ISSN 2747-7088 / ISSN E-Paper: 2747-7096 REDAKTION Chefredakteurin: Dipl.-Ing. (FH) Nicole Steinicke (ni), Tel.: 06131/992-350, E-Mail: n.steinicke@vfmz.de (verantwortlich i.S.d. § 18 Abs. 2 MStV) Redakteurin: Dipl.-Geogr. (FH) Martina Laun (ml), Tel.: 06131/992-233, E-Mail: m.laun@vfmz.de Redaktionsassistenz: Melanie Lerch, Tel.: 06131/992-261, Petra Weidt, Tel.: 06131/992-371, Ulla Winter, Tel.: 06131/992-347, E-Mail: redaktionsassistenz_vfv@vfmz.de, (Redaktionsadresse siehe Verlag) GESTALTUNG Conny Grothe, Sonja Daniel, Anette Fröder SALES Oliver Jennen, Tel.: 06131/992-262, E-Mail: o.jennen@vfmz.de Andreas Zepig, Tel.: 06131/992-206, E-Mail: a.zepig@vfmz.de Anzeigendisposition: Nevenka Islamovic Tel.: 06131/992-113, E-Mail: n.islamovic@vfmz.de Anzeigenpreisliste Nr. 57: gültig ab 1. Oktober 2020 LESERSERVICE vertriebsunion meynen GmbH & Co. KG, Große Hub 10, 65344 Eltville, Tel.: 06123/9238-266 Bitte teilen Sie uns Anschriften- und sonstige Änderungen Ihrer Bezugsdaten schriftlich mit (Fax: 06123/9238-267, E-Mail: vfv@vertriebsunion.de). Preise und Lieferbedingungen: Einzelheftpreis: € 11,- (zzgl. Versandkosten) Jahresabonnement Inland: € 84,- (inkl. 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