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Der Betriebsleiter 4/2020

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Der Betriebsleiter 4/2020

DATENMANAGEMENT 4.0 I

DATENMANAGEMENT 4.0 I SPECIAL Wartungsmanagement digitalisieren Prüftermine im Griff dank Wartungsplaner – lückenlose Dokumentation aller Aufgaben Wartungsarbeiten in Betrieben sind essentieller Bestandteil eines perfekt funktionierenden Asset- Managements. Trotzdem werden vielerorts Intervalle nicht eingehalten. Dabei kann auch hier die Digitalisierung zur Verbesserung von Struktur und Effizienz beitragen, etwa durch eine Software für Wartungsplanung. Ulrich Hoppe von der Hoppe Unternehmensberatung zeigt im Interview die Vorteile eines effizienten und rechtskonformen IT-gestützten Systems auf. Herr Hoppe, als Dienstleister sind Sie in vielen Betrieben unterwegs. Mit welchen Schwierigkeiten hinsichtlich der Organisation und Erfassung von Betriebsmitteln kommen Unternehmer auf Sie zu? Angesichts der unzähligen Vorschriften für die Wartung, Überprüfung und Instandhaltung von Maschinen und Anlagen, der unterschiedlichen Prüfintervalle und der Anforderungen an die Dokumentation von durchgeführten Inspektionen stellt sich immer wieder die Frage, wie sich diese Vielzahl an Aufgaben effizient, überschaubar aber auch rechtssicher erledigen lässt. Oftmals treffen wir auf handschriftliche Listen, Excel-Tabellen oder eigenentwickelte Datenbanken. Das ist eine gute Basis, aber fehleranfällig und oft recht unübersichtlich. Viele wissen nicht, dass sie mit einer passenden Software sämtliche Aspekte im Rahmen der Betriebsmittelwartung abdecken können. Die so erreichte Automatisierung ermöglicht ein sehr angenehmes Arbeiten, vor allem hinsichtlich der Dokumentation. Für welche Betriebsmittel ist die Verwendung einer Software für Wartungsarbeiten sinnvoll? Für alle Betriebsmittel, die per Gesetzgebung regelmäßig gewartet werden müssen. Nur wenn alle vollständig mit ihren dazugehörigen Intervallen erfasst und geprüft werden, ist der Unternehmer bei eventuellen Arbeitsunfällen geschützt. Der Gesetzgeber sieht eine ganze Reihe von Arbeitsschutzregelungen und Prüfrichtlinien vor. Sie umfassen nahezu sämtliche Betriebsmittel, von der überwachungsbedürftigen Produktionsanlage über Türen und Tore bis hin zur Steckdosenleiste im Büro. Der Bruch einer Leitersprosse hört sich zwar relativ harmlos ein, verletzt sich dabei aber ein Mitarbeiter und die Leiter wurde nicht wie in der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) vorgeschrieben überprüft, kann das richtig teuer werden, da keine Versicherung dafür haften wird. Außerdem werden Bußgelder fällig, wenn es zu solchen Versäumnissen kommt. Mal ganz abgesehen von dem entstandenen Schaden für den Mitarbeiter. Auch Regale müssen jedes Jahr nach den berufsgenossenschaftlichen Regeln (BGR) 234 und der DIN EN 15635 gecheckt werden. Dass Prüfberichte in digitaler Form vorliegen und auch per Mail verschickt werden können, erleichtert die Arbeit ungemein Angesichts der Vielzahl von Leitern, Tritten und Regalen in einem Unternehmen kein leichtes Unterfangen, bei dem schnell mal etwas vergessen werden kann. Auch Steckdosenleisten müssen überprüft werden? Das hört sich ja nach sehr umfangreicher Wartung an. Ja, das ist auch so, deswegen ist es empfehlenswert, auf eine Software zurückzugreifen. Gerade elektrische Anlagen und Geräte sind eine ganz besondere Herausforderung bei der Wartungsplanung. Denn nicht nur die Vorgaben der Unfallverhütungsvorschrift der Berufsgenossenschaften (DGUV Vorschrift 3) müssen beachtet werden, sondern auch die des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE). Überprüft werden müssen also alle Geräte, die über eine Steckdose mit Strom versorgt werden und damit ist sogar die Kaffeemaschine in der Küche inkludiert. Wie kann denn eine Smart Maintenance mittels Software praktisch aussehen? Zuallererst werden alle Betriebsmittel mit ihren Zyklen für die Wartungen im System erfasst. In die Softwarelösung werden dann sämtliche Wartungs- und Instandhaltungsvorschriften sowie ein Kalender zur Planung anstehender Wartungsaufgaben eingepflegt. So bekommt der Verantwortliche zum Beispiel eine E-Mail- Erinnerung, wenn Wartungen anstehen. Zudem verfügt die Softaware über eine Funktion, mit der in Prüfberichten 30 Der Betriebsleiter 04/2020 www.derbetriebsleiter.de

SPECIAL I DATENMANAGEMENT 4.0 entsprechende Wartungsaufträge generiert werden können. Die Software für das Wartungsmanagement ermöglicht es den Fachkräften für Arbeitsschutz und -sicherheit sowie EHS-Managern, mit wenigen Klicks Dokumente zu erstellen, zu archivieren und zu pflegen. Werden die aus der Software generierten Berichte auch von den Prüfbehörden akzeptiert? Absolut. Dass Prüfberichte und sonstige Dokumente in digitaler Form vorliegen und gegebenenfalls auch per Mail verschickt werden können, ist ein großer Vorteil und erleichtert die Arbeit erheblich. Bei Betriebsprüfungen sind alle Unterlagen schnell und anschaulich verfügbar, da wichtige Instandhaltungskennzahlen grafisch aufbereitet werden. Noch ein wichtiger Aspekt: Das proaktive Instandhaltungs-Management beugt ungeplanten Ausfällen der Produktion vor und Ressourcen werden so wirtschaftlich eingesetzt. Wenn ein Stapler zum Beispiel ausfällt, beeinflusst das den Tagesablauf ungemein. Das müssen sich Unternehmer bewusst machen. In der Industrie 4.0 ist auch immer wieder von digitaler Ressourcenplanung mit mobilen Endgeräten die Rede. Inwieweit unterstützt die Software für die Wartungsplanung diesen Prozess? Die Information kann auch auf Tablets und Smartphones eingepflegt werden. Das ist besonders praktisch, weil erfahrungsgemäß die Verantwortlichen für den Arbeitsschutz viel im Betrieb unterwegs sind. Mit einem papierlosen Prüffristenmanagement, das zudem noch kompatibel für mobile Endgeräte ist, ist ein sehr effizientes Arbeiten möglich. Zudem können eventuelle Mängel auch gleich mit einem Foto dokumentiert werden, das dann in der Software an das entsprechende Betriebsmittel angehängt wird. Digitalisierung hört sich für viele Mittelständler immer noch sehr abstrakt an. Eignet sich die Softwarelösungen für Wartungsplanung für einen Einstieg in Smart Maintenance im Rahmen von Industrie 4.0? Dem würde ich auf jeden Fall zustimmen. Das Tool ist äußerst bedienerfreundlich und die Vorteile liegen auf der Hand. Termine können nicht mehr vergessen werden und ein Audit ist sehr schnell vorbereitet, weil alle Unterlagen zur Verfügung stehen. Die Mitarbeiter können sich so den wirklich wichtigen Aufgaben widmen und verlieren keine Zeit mehr mit Bürokratie. www.hoppe-net.de www.wartungsplaner.de Gesteigerte Termintreue und Produktivität dank MES Vier Milliarden Kunststoffteile stellt Sulzer Applicator Systems pro Jahr im Spritzgussverfahren her. Damit diese Produkte absolut sicher und zuverlässig funktionieren, müssen alle Teile detailgenau gearbeitet sein. Ein hoher Anspruch an die Fertigung. Kritische Parameter wie Beschaffenheit der Rohstoffe, Homogenität der Werkstoffmischungen, Temperaturen, Druck in der Spritzgussform sowie Qualität der Form und Abkühlvorgang sind exakt aufeinander abzustimmen. Denn jeder Fehler bedeutet: Maschine anhalten, fehlerhafte Teile aussortieren und die Anlage neu justieren. Das kostet viel Zeit und Geld. „Durch die Digitalisierung unserer Fertigung können wir solche Stillstände heute auf ein Minimum reduzieren oder sogar ganz vermeiden. Denn Prozessschritte wie Planung, Beschaffung, Maschineneinstellung, Betrieb, Wartung und Qualitätskontrolle lassen sich optimal aufeinander abstimmen“, sagt Ronny Graf, Abteilungsleiter Injection-Moulding am Standort Haag/Schweiz. Bereits 2013 führte Graf mit seinem Team das MES Hydra von MPDV ein. Schon damals war klar, dass eine Lösung gefragt war, die den Fertigungsprozess transparent macht und Daten nicht nur erfasst, sondern auch analysiert und kontrolliert. „Im Vorfeld haben wir daher viele Optionen diskutiert und uns verschiedene Anbieter angesehen. Doch bei MPDV passte einfach das Gesamtpaket“, so Graf. Wichtig war vor allem, dass sich die Lösung über standardisierte Schnittstellen an das SAP-System anbinden lässt und durchdachte Planungsfunktionen bietet. Außerdem sollte sich das MES besonders einfach bedienen lassen. MPDV erfüllte alle Anforderungen und so fiel die Entscheidung für Hydra. Besonders die perfekte Kommunikation zwischen dem ERP-System und Hydra bringt viele Vorteile mit sich. Schließlich kann die Planungsabteilung so direkt die Fertigungsaufträge an die Produktion übermitteln und schnell auf Veränderungen reagieren. Das MES wiederum meldet die Zahl der tatsächlich produzierten Teile sowie den Status der Maschine zurück. Ist bei einer Maschine der Output geringer als geplant, lassen sich Aufträge rasch auf andere Maschinen verteilen. „Mit Hydra haben wir unsere Termintreue extrem verbessert. Rund 98 % der Aufträge können wir jetzt wie geplant ausliefern“, so Graf. Ein weiterer Vorteil von Hydra ist die höhere Gesamt-Produktivität der Maschinen. Sie lässt sich per OEE erfassen, errechnet aus den Faktoren Verfügbarkeit, Leistung und Qualität. Über ein Ampelsystem wird der Status jeder Maschine angezeigt. „Auf diese Weise können wir alle rund 160 Spritzgussmaschinen und Montagelinien bei optimaler Auslastung fahren. Das hat uns einen Produktivitätsgewinn von 12 % in den ersten drei Jahren beschert“, sagt Graf zufrieden. www.mpdv.com www.derbetriebsleiter.de Der Betriebsleiter 04/2020 31

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